Was der Schulleiter zu sagen hat:
Simon Müller leitet die Bieler Privatschule seit 1996. Im Frühling 2010 wurden im Bieler Tagblatt in einer Serie 4 Interviews mit ihm publiziert:
1. Interview: Kleine Klassen - Individueller Unterricht
2. Interview: Sek oder nicht Sek...
3. Interview: Keine Ideologie aber eine klare Haltung
4. Interview: Nicht für die Schule, aber für den Beruf...
Kleine Klassen – individueller Unterricht
1. Interview mit dem Schulleiter Herrn Simon Müller
Worin liegt grundsätzlich der Unterschied zwischen dem EduParc College und einer staatlichen Schule?
Beginnen wir beim Gemeinsamen: Wir haben den gleichen Lehrplan und die gleichen Lehrmittel. Der Hauptunterschied liegt in der Klassengrösse. Dank der kleinen Klasse steht das Kind mit seinen individuellen Bedürfnissen stärker im Zentrum. Als kleine Schule sind wir auch flexibler als öffentliche Schulen, die doch in einen grossen Apparat eingebunden sind.
Flexibler? Inwiefern?
Wir können die Lernprogramme individuell anpassen. Zum Beispiel kann ein Schüler, der in Französisch weiter ist, als es des Lehrplan verlangt, die Klasse wechseln und mit den Romands den Französischunterricht besuchen.
Und in die andere Richtung: Wenn ein Kind nicht mitkommt?
Das geht genau gleich. Wir können das Lerntempo drosseln und uns mehr Zeit für Fragen nehmen. Wir haben mehr Zeit zum Erklären. Wir erlauben uns aber auch, zum Beispiel einem Kind in der siebten Klasse zu sagen: Anstatt dass du jetzt mit Englisch beginnst, vertiefen wir deine Französischkenntnisse. Zudem können wir zusätzliche Aufgaben und Zusatzstunden anbieten.
Und worin unterscheiden Sie sich von andern privaten Schulen?
Eine schwierige Frage. Hier in Biel gibt es noch die Steiner-Schule, die eine ganz andere Ausrichtung hat. Sie betont das Musische stärker, wir sind leistungsorientierter. Wenn man allerdings das Bild einer elitären Privatschule mit reichen Kindern am Genfersee im Kopf hat, dann unterschieden wir uns davon, dass wir absolut nicht elitär sind, sondern gewöhnliche Kinder aus ganz normalen Familien bei uns haben. Kinder und Jugendliche, welche eine Schule brauchen, die auf ihre Besonderheiten und Eigenheiten eingeht und sie Ernst nimmt.
Was bietet das EduParc College an?
Wir führen fünfte bis neunte Klassen der obligatorischen Schulstufe und ein zehntes, zweisprachiges Schuljahr als Vorbereitung auf weiterführende Schulen oder eine Berufslehre. Von der siebten bis neunten Klasse bieten wir gemischte Real- und Sekundarschulklassen an.
Eine gemischte Real- und Sekundarschule?
Ja, ganz bewusst gemischt. Die Einteilung in Real oder Sek ist manchmal ziemlich willkürlich. Nach der sechsten Klasse werden die Kinder in die Sekundar- oder die Realschule gesteckt. Doch Kinder entwickeln sich – teils schneller, teils weniger schnell. Dabei gibt es einige, die in einem Fach viel schneller sind als in einem andern. Wenn wir sie zusammen unterrichten, können wir besser auf die Bedürfnisse eingehen und sie zum Beispiel im Franz als Realschüler und in Math als Sekschüler behandeln.
Weshalb führen Sie ein zweisprachiges zehntes Schuljahr?
Weil wir in einer zweisprachigen Stadt leben und das Zweisprachige integrieren wollen. Dabei wollen wir aber nicht ausschliesslich bilingue Kinder ansprechen, sondern dieses Jahr bietet gerade auch Kindern, die eher Mühe mit der andern Sprache haben, einen anderen Zugang und mehr Übungsmöglichkeiten. Sie haben eben nicht nur Französisch während der Französischstunden, sondern ständig von morgens bis abends. Es ist etwas Anderes, wenn man versucht, mit der Kollegin oder dem Kollegen in der fremden Sprache zu sprechen, als wenn man in der Französischlektion etwa die richtigen Verben anwenden muss.
Gemischte Klassen bedeuten, dass Sie intensiver auf die einzelnen Kinder eingehen müssen.
Das ist so. Das können wir auch, weil wir kleine Klassen haben. Maximal 16 Kinder. Sie ermöglichen der Lehrerin, dem Lehrer, auf die einzelnen Schwächen und Stärken einzugehen und das Kind individuell zu fördern.
Wie kommt ein Kind ins EduParc College?
Es gibt ein Aufnahmegespräch. Dabei klären wir ab, ob wir den Wünschen der Eltern und den Möglichkeiten des Kindes gerecht werden können. Sehr wichtig ist uns auch, dass Eltern und Kind zu uns und zu unseren Werten passen.
Was kostet denn das EduParc College?
3595 Franken pro Quartal. Wir wissen, dass das für viele Eltern viel Geld ist und dass sie sich einschränken müssen. Dafür verpflichtet es uns, dem Kind das Optimum zu bieten. Und es verpflichtet das Kind, sich anzustrengen, um sein Ziel zu erreichen.
Wie sind Sie zum EduParc College gekommen?
1985 habe ich meine Ausbildung als Lehrer abgeschlossen. Nach einigen kurzen Stellvertretungen ging ich ein halbes Jahr auf Reisen. 1986 erhielt ich an der „Freien Schule Biel“ eine feste Anstellung. 1991 wurde diese Schule von der Feusi übernommen – mitsamt uns Lehrern. 1996 übernahm ich neben meinem Lehrerpensum zusammen mit einem weiteren Lehrer die Schulleitung. 1999 zog sich Feusi aus Biel zurück und unsere Schule wurde zum Wips-College; aber ich blieb Leiter. 2003 wurde aus dem Wips College EduParc College, weil der Besitzer in Pension ging, ich blieb wiederum Leiter. 2009 ging die Schule in meinen Besitz über. Kurz: Vier Namen – eine Schule, mit mehrheitlich den gleichen Lehrerinnen und Lehrern und unter der gleichen Leitung.
Abschlussfrage: Werden Ihre Kinder auch einmal ins EduParc College gehen?
Es ist nicht so, dass ich der Meinung bin, dass die öffentliche Schule schlecht ist und deshalb meine Kinder unbedingt in eine Privatschule wechseln sollen. Im Gegenteil. Wir brauchen eine starke öffentliche Schule und ich hoffe, dass meine Kinder ihren Weg dort machen können. Trotz guter Arbeit an vielen öffentlichen Schulen kann es aber Situationen geben, wo es Alternativen braucht. Die öffentliche Schule wird leider längstens nicht allen gerecht. Sie kann nicht so individuell unterrichten, ist nicht so flexibel. In so einem Fall muss man reagieren, ist es gut, wenn es andere Optionen gibt. Diese würde ich bei Bedarf sicher auch für meine Kinder in Betracht ziehen.
Sek oder nicht Sek, das ist die Frage...
2. Interview mit dem Schulleiter
Beginnen wir mit einer grundsätzlichen Frage: Wie wichtig ist es, dass ein Kind die Sekundarschule besucht?
Viele Berufe kann man nur erlernen, wenn man einen Sekundarschulabschluss hat. Doch gibt es in der Staatsschule – meiner Meinung nach – eine zu starke Trennung zwischen Real- und Sekundarstufe. Gerade hier in Biel besteht zwischen der Sekundar- und der Realschule ein grosses Gefälle. Die Realschule wird zum Sammelbecken von Kindern mit unterschiedlichsten Problemen: Motivationsproblemen, Sprach- und Integrationsproblemen. All dem sollte der Realschullehrer gerecht werden. Das ist enorm schwierig. Darum ist in der Realschule eine gezielte Förderung häufig nicht mehr möglich.
Wie sieht die Situation beim EduParc College aus?
Wir fahren Real- und Sekundarstufe sehr nahe beieinander. Deshalb heisst die Realstufe bei uns „Realstufe plus“. „Plus“ weil sich unsere Realstufe an den Anforderungen der Sekundarstufe orientiert. Deswegen ist es nicht so schlimm, wenn es nicht in die Sekundarschule reicht. Wir finden es besser, wenn das Kind in der Realstufe optimal gefördert wird, als wenn man ihm sagt: Das Wichtigste ist, dass du in der Sek bist. Dabei schreibt es dauernd ungenügende Noten.
Wie fördern Sie das Kind optimal?
Indem wir uns Zeit für alle Fragen nehmen können. Und indem wir gegen einen schleichenden Schlendrian ankämpfen: Zum Beispiel Wenn ein Kind nur das Minimum macht und die Hausaufgaben nicht so gewissenhaft erledigt. Dadurch gerät das Kind zunehmend in Verzug und kann irgendwann dem Sekundarschulprogramm nicht mehr folgen. Man muss sich im Klaren sein: Sekundarschule heisst mehr arbeiten. In dem Alter ist manchen Schülern der Ernst der Lage nicht wirklich bewusst. Wenn man sie lässt, arbeiten sie nicht so viel. Und dann reicht es plötzlich nicht mehr. In den Fällen, in denen die Sekundarschule eigentlich drin liegt, aber nur wenn man fleissig arbeitet, können wir helfen. Einer der meist gehörten Sätze bei Eintrittsgesprächen ist wohl: „Es liegt nicht an der Intelligenz“. Genau da können wir weiterhelfen und ideale Voraussetzungen schaffen, damit das Potential ausgeschöpft werden kann.
Ist dieser Kampf gegen den Schlendrian ein Unterschied zur öffentlichen Schule?
Wir haben andere Rahmenbedingungen. Da uns die Eltern finanzieren, sind wir ihnen gegenüber verantwortlich. So können wir es uns nicht leisten einem Kind zu sagen: Du bist selbst Schuld, wenn du die Aufgaben nicht machst. Wir müssen in jeder Situation dafür sorgen, dass wir die Ziele erreichen.
Woran kann es liegen, dass es ein Kind nicht in die Sek schafft?
Faktoren, die Schulerfolg beeinflussen, sind sicher die intellektuellen Voraussetzungen des Kindes selber, sowie die Unterstützung zuhause und in der Schule. Aber wir erleben auch viele Kinder, denen es in der öffentlichen Schule nicht für die Sek reicht. Bei uns aber können sie problemlos mithalten. Das liegt daran, dass wir ständig präsent sind und ständig überprüfen: Sind die Aufgaben gemacht? Fragt das Kind nach, wenn es nicht nachkommt? Fragen müssen sofort beantwortet werden und dürfen sich nicht anstauen. Ansonsten steht das Kind irgendwann vor einem Berg Fragen und man kann nicht mehr reagieren.
Was können die Eltern tun, damit ihr Kind in die Sek kommt?
Für uns ist die Zusammenarbeit mit den Eltern sehr wichtig. Wenn das Kind spürt, dass zu Hause das Gleiche gesagt wird wie in der Schule, hilft dies sehr. Wir erwarten nicht, dass die Eltern Hilfslehrer sind. Unterrichten ist unsere Aufgabe. Wir erwarten aber, dass die Eltern kontrollieren, ob ihr Kind die Hausaufgaben macht. Und dass sie ihr Kind aufmerksam begleiten und sich bei uns melden, wenn Schwierigkeiten auftauchen.
Sie haben mehrere Niveaus in einer Klasse: Was meinen Sie damit?
Der kantonale Lehrplan gibt vor, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt in einem Fach ein bestimmtes Ziel zu erreichen hat. Nun gibt es Kinder, die noch mehr können. Die wollen wir fördern. Und es gibt Kinder, die genau das Ziel erreichen. Schliesslich gibt es Kinder, die können weniger. Das bedeutet: Als Lehrer muss ich allen drei Gruppen gerecht werden. Weil wir kleine Klassen mit maximalen 16 Schülern haben, können wir zwei-, drei-, manchmal sogar vierspurig fahren.
Ist individuelle Förderung nicht gleichbedeutend mit teuer?
Man muss das klar sehen: Die öffentliche Schule kostet die Eltern nichts, bei uns hingegen zahlen sie 3595.- Franken pro Quartal, was einem Betrag von knapp 1'200.- pro Monat entspricht. Umgekehrt verpflichtet uns dies, jedes Kind individuell zu fördern.
Wie viele Ihrer Schüler schliessen auf Sekundarschulniveau ab?
Das ist nicht die entscheidende Frage. Wichtig ist, dass jeder Schüler das Optimum aus seinen Fähigkeiten herausgeholt hat. Grob gesagt schliessen etwas mehr als zwei Drittel mit der Sekundarstufe ab. Die meisten Eltern möchten zwar, dass ihr Kind ein Sekundarschulzeugnis erhält. Wenn sie aber sehen, dass ein guter Realschulabschluss auch seinen Wert hat, können sie die Situation akzeptieren.
Wer also einen guten Realschulabschluss hat, hat eine intakte Chance auf eine Lehrstelle?
Ja unbedingt! Kein Schulabgänger von uns stand nach der Schule auf der Strasse. Sämtliche Schulabgänger von EduParc College hatten konkrete Lösungen.
Keine Ideologie - aber eine klare Haltung
3. Interview mit dem Schulleiter
Welches ist die Bedeutung der Privatschulen in der Schweiz?
In der Schweiz besteht eine grosse Skepsis gegenüber Privatschulen. Diese Haltung ist aber stark im Wandel. Man erkennt zunehmend, dass es eine Alternative zur öffentlichen Schule braucht. Es sind nun mal nicht alle Kinder zur gleichen Zeit gleich weit. Diese Kinder, die nicht in die staatliche Norm passen, benötigen uns. Die öffentliche Schule kann die Bandbreite an Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler nicht genügend berücksichtigen – und dabei noch sparen.
Worin liegt der Unterschied zwischen EduParc College und einer öffentlichen Bieler Schule?
Der Hauptunterschied liegt darin, dass wir dank unserer Klassengrösse – maximal 16 Schülerinnen und Schüler – auf die Kinder eingehen können. Zudem gibt es in Biel viele stark durchmischte Klassen, in denen man einen regulären Unterricht nur mehr knapp gewährleisten kann. Gemäss Zeitungsberichten hat dies zur Folge, dass Eltern aus Biel wegziehen. Wir bieten eine Alternative zum Wegzug aus Biel.
Andere Privatschulen haben einen ideellen Hintergrund. Haben Sie das auch?
Wir wollen Jugendliche auf ihrem Schulweg optimal begleiten. Das ist eigentlich unsere ganze Philosophie.
Da untertreiben Sie aber. Sie haben einen ideellen Hintergrund: die klassischen Bildungswerte.
Ja, dazu stehe ich. Häufig wünschen sich die Eltern eine Schule, wie sie sie noch gekannt haben. Das wollen wir durchaus auch. Wir wollen nicht ständig Neues erfinden. Wir sind auf dem richtigen Weg, wenn in unserer Schule ein anständiger Umgang gepflegt wird, gegenseitiger Respekt herrscht und Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, die nachfragen und kontrollieren und als Autorität akzeptiert werden.
Wollen Sie die Kinder dazu erziehen?
Es ist nicht unsere Aufgabe, den Eltern die Erziehung abzunehmen. Wir haben einen Bildungsauftrag. In der öffentlichen Schule wird dies zu oft vermischt. Sie muss zum Teil in die Erziehung eingreifen. Da sind wir in einer komfortableren Situation. Wir können den Kindern auch sagen: „Dein Verhalten dulden wir nicht“. Pro Jahr verweisen wir zwei bis drei Kinder von unserer Schule. Wenn es zum Ausschluss kommt, dann nicht wegen der Leistung, sondern weil die Kommunikation im Dreieck Kind-Eltern-Schule nicht geklappt hat. Wir brauchen jederzeit die Unterstützung der Eltern. Dann gelingt es uns auch, schwierigere Phasen zu überbrücken. Wir haben den grossen Vorteil, dass wir auswählen können, mit welchen Kindern wir zusammenarbeiten wollen. Das können die öffentlichen Schulen nicht und deshalb kann es zu Reibereien mit Eltern führen, die finden, dass die Lehrer nach ihrer Pfeife tanzen sollen. Bei uns geht das nicht.
Wie würden Sie den Unterrichtsstil am EduParc College beschreiben?
Es ist wichtig, dass die Kinder die Persönlichkeit eines jeden Lehrers spüren. So wie die Kinder Individuen sind, so sind es auch die Lehrer. Aber es gibt eine gemeinsame Grundhaltung und Regeln, die bei allen Lehrern gelten. Es verwirrt Kinder, wenn der eine Lehrer das Kaugummikauen verbietet, der andere nichts sagt, der dritte nur bei Regenwetter und der vierte selbst Kaugummi kaut. Bei uns besteht eine Art „unité de doctrine“. Wir bestimmen an der Lehrerkonferenz, wie wir auf bestimmte Fälle reagieren und welche Strafen es gibt. Eine gemeinsame Strategie und klare, verbindliche Regeln vereinfachen den Schulalltag erheblich.
Was bedeutet streng sein für Sie?
Wir wollen nicht nur nette Lehrer sein. Eine gewisse Strenge ist nötig, damit wir die Ziele erreichen. Es ist nun mal eine Tatsache: Einem Siebtklässler – und auch manchem Zehntklässler – käme von sich aus anderes in den Sinn als Franzwörtli zu lernen. Da muss man sich durchsetzen. Deswegen braucht es in einer Schule klare Regeln. Wobei wir die Erfahrung gemacht haben, dass es leichter fällt, sich an die Regeln zu halten, wenn sie klar sind. Bei uns weiss man, wenn das Handy im Klassenzimmer eingeschaltet ist, dann wird es für eine Woche konfisziert und die Eltern werden benachrichtigt. Darüber wird nicht diskutiert. Wir diskutieren lieber über Mathematik- oder Deutschthemen.
Themenwechsel: Zum Schulgeld, ist es für alle Eltern gleich?
Ja, es ist bewusst für alle gleich, weil wir für alle die gleichen Leistungen erbringen. Die Tatsache, dass die Eltern Schulgeld bezahlen müssen, ist auf den ersten Blick ein Nachteil für uns. Aber sie wirkt sich vorteilhaft aus: Die Eltern haben sich sehr bewusst damit auseinander gesetzt, was ihnen die Schulbildung ihres Kindes wert ist. Die allermeisten Eltern haben das Geld nicht einfach so. Dafür bringen sie persönliche Opfer. Zum Beispiel streichen sie die Ferien oder arbeiten zusätzlich. Das schafft Motivation. Der Unterricht und die Schulleistungen werden dadurch viel verbindlicher.
Wenn ein Kind eine besondere Begabung hat, ist es dann bei Ihnen am richtigen Ort?
Durchaus! Weil wir auf die Besonderheiten eingehen können. Wir haben immer wieder Spitzensportler bei uns. Wir haben Kunstturnerinnen des Nationalkaders unterrichtet. Sie haben extrem viel in Magglingen trainiert, bis zu 30 Stunden. Wir konnten flexible Stundenpläne anbieten; wir haben sogar Lehrkräfte nach Magglingen geschickt. Wir bieten zwar keine speziellen Kunst-, Musik- oder Sportstunden an, dafür aber das ideale ergänzende Umfeld für Kinder in zeitintensiven künstlerischen oder Sportausbildungen.
Nicht für die Schule, sondern für den Beruf lernen wir
4. Interview mit dem Schulleiter
Was leistet EduParc College zur Berufsvorbereitung?
Bei uns ist von Anfang an klar: Am Schluss, wenn das Kind unsere Schule verlässt, muss eine Lösung vorliegen. Entweder eine weiterführende Schule oder eine Lehrstelle. Will ein Kind zum Beispiel Zahnarzt werden, dann muss es wissen, dass es die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium zu bestehen hat. Dafür braucht es vielleicht bessere Noten in Mathematik. Nun können wir Zusatzstunden oder Aufgabenhilfe in diesem Fach anbieten. Doch kann auch sein, dass wir sagen: „Zahnarzt ist kein realistisches Ziel für dich, aber etwa Dentaltechniker“.
Weil die Berufswahl von grösster Bedeutung ist, haben wir eine eigene Berufsberaterin im EduParc College. Sie arbeitet von der achten Klasse an systematisch mit den Jugendlichen. Jedes Kind hat regelmässig Gespräche mit ihr – je nachdem zusammen mit den Eltern. Da sie im Haus ist, hat sie einen direkten Draht zu den Lehrern und kennt die Kinder gut.
Weiss denn ein Achtklässler bereits, was er werden will?
Nicht alle. Es ist unsere Aufgabe, nicht zu warten, bis das Kind einen Berufswunsch hat. Schliesslich geht es dabei um grosse Fragen wie: Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich machen? Was geschieht in der Berufswelt? Und: Wo passe ich hin? Für all diese Fragen sensibilisieren wir das Kind und unterstützen es bei der Suche nach möglichen Antworten. Dabei kann man zum Schluss kommen, dass es noch nicht reif für diese Frage ist, und ein zehntes Schuljahr die vorläufig richtige Lösung ist.
Was bringt das zehnte Schuljahr?
Häufig wird das zehnte Schuljahr als Zwischenjahr bezeichnet, als Verlegenheitslösung. Bei uns nicht. Wir wollen, dass es ein intensives Jahr ist, in dem man die Lücken der früheren Jahre aufarbeiten kann. Manche Siebt- oder Achtklässler haben den Ernst des Lebens noch nicht begriffen. Das zehnte Schuljahr bietet die Möglichkeit, die dadurch entstandenen Wissensdefizite zu beheben. Am Ende des zehnten Jahres soll der Jugendliche eine solide Schulbildung, also ein breites Basiswissen haben. Alles, was nachher kommt, Lehre oder weiterführende Schule, baut darauf auf. Wenn sich ein Jugendlicher in der Berufsschule immer noch fragt, was ein Dreisatz oder ein passé composé ist, dann frisst das unheimlich viel Energie.
Was zeichnet das zehnte Schuljahr beim EduParc College aus?
Bei uns hat das zehnte Schuljahr drei Schwerpunkte: Der erste ist das Schulwissen. Die Jugendlichen sollen sehr viel lernen. Der zweite Schwerpunkt ist die Zweisprachigkeit: Sie sollen die Hemmungen vor der andern Sprache verlieren. Die eine Sprachgruppe soll auf die andere Gruppe zugehen und davon profitieren, dass man anderssprachige Klassenkolleginnen und –kollegen hat. Und der dritte Schwerpunkt ist die Berufsberatung, in der jeder Jugendliche mit unserer Berufsberaterin konkret eine Lösung für sich sucht. Im zehnten Schuljahr findet auch ein Reifungsprozess statt. Von den Zehntelern, die zu uns kommen, hat wohl die Hälfte zu spät realisiert, dass sie jetzt anpacken müssen.
Unser Resultat kann sich sehen lassen: Sämtliche Schulabgänger hatten konkrete Lösungen. Keiner stand nach der Schule auf der Strasse.
Wie hilft EduParc College bei der Lehrstellensuche?
Wir organisieren Schnuppertage und Praktika. Weil wir seit über 20 Jahren in Biel präsent sind, haben wir viele Kontakte und ein breites Netzwerk. Zudem gilt das EduParc College als gute Referenz.
Und was bietet EduParc College einem Jugendlichen, der ins Gymnasium will?
Da ist der Weg vorgegeben: Er muss die Eintrittsprüfung ins Gymnasium bestehen. Deren Anforderungen sind klar definiert. Kommt ein Jugendlicher in der siebten oder achten Klasse zu uns, schauen wir, wo er steht und sagen ihm, wo er hin muss. Wir führen ab der achten Klasse in der Mittelschulvorbereitung regelmässige Standortbestimmungen durch. Nach der ersten Standortbestimmung stellen wir fest, ob der Kandidat auf dem richtigen Weg ist oder ob man korrigieren muss. Eine Korrektur ist kein Problem: Man hat ja noch Zeit. Wenn bei der nächsten Standortbestimmung die Steigerung nicht erfolgt ist, dann sprechen wir mit Eltern und Kind und sagen unmissverständlich: „Jetzt muss etwas geschehen. Es besteht eine letzte Chance, etwa mit zusätzlichem Unterricht. Sonst fährt der Zug ab.“ So halten wir die Eltern auf dem Laufenden und vermeiden eine grosse Enttäuschung, falls ihr Kind die Prüfung nicht schafft. Eine Gymprüfung braucht unglaublich viel Vorbereitung. Deswegen muss man früh damit beginnen. In der öffentlichen Schule heisst es bisweilen: „Das kommt dann schon“. Und plötzlich ist es zu spät. Bei jenen Kindern, die sich im Graubereich befinden – reicht es oder reicht es nicht? -, ist ein Zusatzeffort nötig. Dabei können wir das Kind unterstützen.
Was können die Eltern zur Vorbereitung tun?
Hinhören und die Bedürfnisse des Kindes klar anmelden. Wenn wir genau wissen, was erwartet wird, können wir dementsprechend reagieren oder die Grenzen des Möglichen aufzeigen. Schüler, Schule und Eltern müssen in die gleiche Richtung ziehen. Wenn das der Fall ist, klappt es fast immer.

